Diskussionen über Potenziale der Vor-Ort-Versorgung

Vor-Ort-Versorgung ist ein zentrales Thema für die Energiewende. Die Nutzung lokaler Flexibilitäten und die Rolle von Quartieren, Gebäudekomplexen, Industriegebieten oder anderen Mischgebieten im klimaneutralen Stromsystem wird viel diskutiert und neu gedacht. Was hat sich jetzt an Neuerungen ergeben und wo stehen die Potenziale der Vor-Ort-Systeme weiterhin großen Herausforderungen gegen­über? Über diese und weitere Fragen haben Expert:innen auf der Fraunhofer CINES Fachtagung Vor-Ort-Versorgung (in Kooperation mit Reiner Lemoine Stiftung) diskutiert, die am 29. März 2023 im Fraunhofer ENIQ stattfand.

© Reiner Lemoine Stiftung
Session: Vor-Ort-Versorgung in der politischen Diskussion mit Harald Uphoff (Bündnis Bürgerenergie), Susanne Schmelcher (dena) , Jürgen Weigt (VKU) und Bernhard Strohmayer (bne). Moderation: Fabian Zuber (Reiner Lemoine Stiftung).

Wärmpumpen, PV-Anlagen, Speicher und Elektromobilität bieten technische Möglichkeiten und Potenziale auf lokaler Ebene. In der Eröffnungsrede haben Christof Wittwer (Fraunhofer ISE) und Fabian Zuber (Reiner Lemoine Stiftung) die Bedeutung von Vor-Ort-Versorgung im Zuge der Transformation des Energiesystems betont.

Wie sehen die Potenziale der Vor-Ort-Versorgung aus wissenschaftlichen Perspektiven aus?

Forschenden vom Fraunhofer ISE, Reiner Lemoine Institut und Reiner Lemoine Stiftung gaben Impulse dazu. Christoph Kost (Fraunhofer ISE) erläuterte die Relevanz von Prosumern für Vor-Ort-Versorgung anhand der Studie „Potenziale und Rahmenbedingungen für den Ausbau des Prosuming“. Dabei wurde unter anderem der Beitrag von PV-Prosumerlösungen in Mehrfamiliengebäuden bis hin zu Energy Sharing - Konzepten zur Wirtschaftlichkeit von dezentraler Versorgung erläutert.

Bei der Studie „Quartiere im klimaneutralen Stromsystem“, die die Forschenden um Editha Kötter am Reiner Lemoine Institut erarbeitet hat, ging es um die Festlegung der Auswirkungen verschiedener Wärmpumpen-basierter Wärmversorgungskonzepte auf den Netzausbaubedarf in gängigen Verteilnetztypen. Dafür wurden 5 Quartierskonzepten zur Wärmeversorgung sowie 4 gängige Verteilnetztypen ausgewählt und Netzanalyse durchgeführt. Ergebnis: mit knapp 2.000 € sind die Netzausbaukosten je umgerüsteter Wohneinheit (WE) im Netzgebiet gering. Jedoch bedarf es einer Anpassung aktueller Regulierungen, um volkswirtschaftlich sinnvolle Quartierskonzepte zu ermöglichen.

Matthias Kühnbach (Fraunhofer ISE) hatte sich mit den Forschungsfragen beschäftigt: ob eine Betriebsführung ohne zentrale Instanz gesamtheitlich zu höherer Eigenversorgung innerhalb von Communities führt und welchen Beitrag bidirektionales Laden von Elektrofahrzeugen liefert. Seine Erkenntnisse: Interaktion von Energieagenten führt zu verstärkter Nutzung von in Community erzeugtem Strom, und dieser Effekt wird durch Bidirektionales Laden verstärkt. Damit stellen Energieagenten validen Komplementärentwurf zu zentralem Quartiersmanagement dar.

Philipp Blechinger (Reiner Lemoine Stiftung) gab einen Überblick über Vor-Ort-Versorgung auf internationaler Ebene. Die internationalen Erfahrungen zeigen, dass erneuerbare vor-Ort Versorgung möglich ist. Neue Ansätze wie dezentrale Energiezellen, Smart Meter, Speicher und Smart Control erlauben eine Optimierung auf lokaler Ebene.

Vor-Ort-Versorgung in der politischen Diskussion

In der anschließend politischen Diskussion haben sich Expert:innen zur Vor-Ort-Versorgung aus Sicht der Bürgerenergie, Quartiere, Stadtwerke und Energieunternehmen ausgetauscht. Dazu gehören Themen wie Akzeptanz und Netzentgelt. Für Harald Uphoff (Bündnis Bürgerenergie) ist es wichtig, Menschen zu motivieren, sich an Energiewende zu beteiligen. Susanne Schmelcher (dena) sah die Energiewende als ein Bottom-Up Prozess und dezentralen Anlagen sollten in gesamt-systematischer Betrachtung eine große Rolle spielen. Jürgen Weigt (VKU) identifzierte Akzeptanz und das Mitnehmen von Menschen als einen der größten Erfolgsfaktoren eines Beispielprojekts, in dem eine CO2-Einsparung von 70 % durch Einsatz von Dach-PV-Anlagen, Wärmpumpen und Warmwasserspeichern erzielt wurde. Bernhard Strohmayer (bne) bekräftigte die Notwendigkeit, neue Möglichkeiten von Vor-Ort-Konzepten in den Diskurs zu bringen und entsprechende Lösungen bereitzustellen.   

Zum Schluss zog Daniela Fietze (Stiftung Umweltenergierecht) Fazit, wie die wissenschaftlichen Erkenntnisse über Vor-Ort-Konzepte in den regulatorischen Prozess ankommen können.

Im CINES befassen wir uns mit dem Thema Vor-Ort-Versorgung. Hier können Sie unsere neue Studie „Vor-Ort-Systeme als flexibler Baustein im Energiesystem – Eine cross-sektorale Potenzialanalyse“ herunterladen. Erfahren Sie hier mehr über unsere Arbeit im Bereich Vor-Ort-Versorgung. Sprechen Sie uns an oder schreiben Sie uns.